IST EIN SPOT EIN SPOT EIN SPOT?

ADC Mitglied Alex Feil ist passionierter Regisseur. Schon während der Schulzeit arbeitete er als Schnitt- und Produktionsassistent beim ZDF, um sein Taschengeld aufzubessern. Nach einer erfolglosen Bewerbung an der Filmakademie Baden-Württemberg startete er zunächst als Cutter und wechselte dann in die Postproduktion.  Die folgenden fünf Jahre etablierte er sich national als freiberuflicher Editor und Postproduktionssupervisor. Den Durchbruch schaffte er 2004 mit seinem Animationsfilm "e-motion capture", der zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Seit 2005 konzentriert es sich mit seinen Arbeiten auf Werbung. Auf ADC.de erzählt er, worin die Geheimnisse eines guten Spots liegen.

Lieber Alex, was macht einen Spot eigentlich kreativ? Ist es die Idee, das Drehbuch, das Set, die Regiearbeit, die Post-Produktion – oder alles zusammen?

Für mich persönlich ist die Idee am wichtigsten! Und eine gute Idee ist zu vergleichen mit der perfekten Antwort auf die Frage: „Mit welchem Spot kann ich den Zuschauer für das zu bewerbende Produkt auf eine Art und Weise gewinnen, die es so noch nicht gegeben hat?“

Wenn die Antwort auf diese Frage eine aufwendige Postproduktion verlangt, dann ist es die Postproduktion, die den Spot kreativ macht. Wenn aber gar keine besondere Postproduktion gebraucht wird, sondern ein toller Schauspieler, der einen Text vorliest, dann wird jeder den Schauspieler in Verbindung mit dem tollen Werbespot erwähnen.

Natürlich gibt es nie nur eine Antwort auf die Frage, aber wenn man sich Arbeiten von Werbeschaffenden ansieht, kann man recht einfach beurteilen, wer oben genannte Frage des Öfteren mit dem richtigen Gespür beantwortet.

Und woran erkenn ich eine kreative Regie-Arbeit?

In meiner Anfangszeit habe ich mir oft die Frage gestellt, woran es liegt, dass es neben den „Eintagsfliegen“ Leute gibt, die immer und immer wieder gute Filme machen. Also habe ich angefangen, deren Filme zu analysieren; einerseits handwerklich, andererseits inhaltlich. Zum Handwerk habe ich für mich gelernt: Langfristige Kreativität erfordert Vielfalt, enorme Flexibilität und Konsequenz. Ist es bei einem Film die Dramaturgie, das Tempo, der Rhythmus, was den Spot auszeichnet, so kann es beim nächsten Film die tolle Musik oder die Darstellerinszenierung sein. Dementsprechend breit muss die Kompetenz des Regisseurs sein, was das Handwerk betrifft. Zumindest, was das Bewerten der einzelnen Handwerke angeht. Für das eigentliche Herstellen sind die Mitglieder seines Teams zuständig. Viel wichtiger, und das macht meines Erachtens den entscheidenden Unterschied einer kreativen Regie-Arbeit aus, ist das richtige Maß an Flexibilität und Konsequenz beim Treffen von Entscheidungen.

Was den Inhalt angeht, so verhält es sich einfacher, denn da darf einzig und allein der Bauch entscheiden. Und das hab ich auch beim Beurteilen von allen kreativen Werken. Berührt mich das auch? Glaube ich das auch? Find ich das auch gut? Hab ich Spaß? Ehrlichkeit ist das Schlüsselwort.

Kann ein guter Regisseur sein Handwerk auch ohne Studium oder Ausbildung perfekt ausführen?

Sicherlich. Ich kann nicht sagen wo der Unterschied liegt, weil ich nicht studiert habe, sondern Autodidakt bin. Aber wenn die Leidenschaft da ist, hat man eine gewisse Grundneugier, die befriedigt werden will und durch die man sich Wissen aneignet. Das ist vergleichbar mit einem Studium. Klar hat man dann keine tollen Referenten und Dozenten, die einem weiterhelfen. Aber heutzutage hat man die Möglichkeit, sich auf Kongressen und Veranstaltungen, wie z.B. dem ADC Festival, Wissen anzueignen. Ich habe z.B. damals Götz Ulmer von Jung von Matt einfach über seine ADC Adresse angeschrieben und ihm gesagt, dass ich einen seiner Spots beim ADC Wettbewerb toll finde und wie man so etwas macht. Und Götz hat sogar geantwortet. Hätte ich studiert, dann wäre alles vielleicht ein bisschen anders gelaufen. Ich hätte nicht so viel bohren müssen. Ich bin davon überzeugt, dass der eigene Antrieb das wichtigste überhaupt ist. Er bringt einen dahin, wo man hin möchte.

Es gibt immer wieder neue Techniken, neue Kameras, neue Möglichkeiten. Machen diese einen Film besser?

Schwer zu sagen, da könnte ich zwei Antworten geben. Wenn ich beispielsweise einen 3D-Film angucke, dann ist das zwar an sich nichts Neues, aber eine sehr aktuelle technische Neuerung, die das Filmerlebnis absolut verändert. Definitiv. Und ich kann schwer abschätzen, wie weit das noch geht, wie viel Spielraum da noch ist. Andererseits ist das Erlebnis das Gleiche, wenn ich einen tollen Film aus den 50ern oder 90ern angucke. Das Filmerlebnis ist heute ein anderes, aber es wird durch neue Technik nicht unbedingt besser.

Und welches ist die technische Neuerung, die dich in den letzten Jahren am meisten beeinflusst hat?

Mein Smartphone :-) Tatsächlich, weil es mir möglich geworden ist, dadurch sehr intensiv und kreativ zu arbeiten. Mein Smartphone macht es mir möglich überall zu sein, an fast jedem Ort der Welt. Ich kann mich mit Leuten international durch einen Conficall abstimmen, während ich beim Einkaufen am Wurstregal stehe, ohne dass es jemand mitkriegt. Ich kann alle Mails beantworten, danach das exakte Wetter und die Locationbilder für den nächsten Dreh in Spanien checken, und noch den Schnitt des Films beurteilen, den ich vorher in China gedreht habe. Dabei steh ich gerade mitten im Wald und dann jogg ich weiter und bin wieder „off“. Find ich immer wieder beeindruckend.

Vielen Dank!

WEBSITE ALEX FEIL